Hamburg Süd 2014: Weichen für die Zukunft gestellt

23.04.2015

Presse-Information

Entwicklung der Hamburg Süd im Überblick

Das Wachstum der Weltwirtschaft lag 2014 mit 3,4 Prozent auf Vorjahresniveau, die containerisierten Seetransporte hingegen sind mit 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (3,6 Prozent) deutlich stärker gewachsen. Allerdings stieg auch im zurückliegenden Jahr die global verfügbare Stellplatzkapazität an Bord von Containerschiffen stärker an als das Transportvolumen. Die vorhandenen Überkapazitäten konnten daher nicht abgebaut werden, und die Frachtraten gingen in den meisten Verkehren weiter zurück. Entlastend wirkten die ab dem 4. Quartal stark fallenden Treibstoffpreise.

Die schlechte wirtschaftliche Entwicklung Brasiliens, Argentiniens und Venezuelas trug dazu bei, dass die Nord-Süd-Verkehre nur geringes, teilweise negatives Wachstum aufwiesen. Daher konnte die Hamburg Süd zusammen mit ihrer brasilianischen Tochtergesellschaft Aliança ihr Transportvolumen nur um 2 Prozent auf rund 3,4 Millionen TEU (1 TEU = 20 Fuß-Standardcontainer) steigern. Bedingt durch die rückläufigen Frachtraten und den schwachen US-Dollar als Haupt-Erlöswährung sank der Umsatz gleichzeitig um etwa 1 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. Das Linienergebnis blieb positiv, lag jedoch deutlich unter dem des Vorjahres.

Nicht zuletzt aufgrund der schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung Chinas musste die Bulkschifffahrt in 2014 erneut mit schwierigen Marktbedingungen kämpfen und konnte die Verlustzone nicht verlassen.

Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Anzahl der in der Schifffahrtsgruppe tätigen Mitarbeiter um 4 Prozent auf 5.360 an (einschließlich 1.383 Seeleute, exklusive Auszubildende).

Die Investitionen lagen mit 348 Millionen EUR um 23 Prozent unter denen des Vorjahres und wurden vollständig aus dem Cash flow bezahlt. Im Wesentlichen handelte es sich um An- und Schlusszahlungen von 10 Schiffen zwischen 4.800 und 9.600 TEU.

Wirtschaftliches Umfeld

Trotz nachlassender Dynamik war auch im Jahr 2014 die chinesische Volkswirtschaft mit einem Plus von circa 7,4 Prozent der globale Wachstumsmotor. Weiterhin unbefriedigend ist die Situation in Brasilien mit einer Stagnation der Wirtschaft in 2014, aber auch andere südamerikanische Volkswirtschaften wie Argentinien und Venezuela konnten sich nicht erholen. Aufgrund einer leichten wirtschaftlichen Belebung in Europa (+0,9 Prozent) und eines weiter stabilen Wachstums von 2,4 Prozent in den Vereinigten Staaten wuchs die Weltwirtschaft insgesamt mit 3,4 Prozent vergleichbar zum Vorjahr.

Die weltweiten Containertransporte stiegen im Jahr 2014 mit 5,4 Prozent deutlicher an als im Jahr zuvor, allerdings mit unterschiedlicher Dynamik im Vergleich verschiedener Märkte. So verzeichneten die Verkehre zwischen Asien und Europa bzw. Nordamerika in den Jahren 2012 bis 2014 Zuwachsraten von 3 Prozent bis 7 Prozent p.a., während die Lateinamerika berührenden Fahrtgebiete lediglich um durchschnittlich rd. 1,5 Prozent p.a. wuchsen.

Die globale Stellplatzkapazität nahm (nach Verschrottungen) aufgrund von Rekordablieferungen von 1,5 Millionen TEU mit 6,3 Prozent auf 18,4 Millionen TEU noch stärker zu als die weltweiten Containertransporte.

Eine Restauration der Frachtraten auf globaler Ebene gab es somit in 2014 nicht. Zudem setzte sich der Trend einer schlechteren Ratenentwicklung in den Nord-Süd- im Vergleich zu den Ost-West-Verkehren fort. Der Einsatz von modernen 14.000 bis 18.000 TEU-Einheiten in den Asien-Verkehren führt zur Verdrängung kleinerer Schiffe auf diesen Routen. Diese werden nicht außer Dienst gestellt – da sie mehrheitlich noch keine 10 Jahre alt sind – sondern kaskadieren in die Nord-Süd-Verkehre und verstärken dort den Ratendruck.

Erfreulich für die Schifffahrt war 2014 die Entwicklung bei den Treibstoffpreisen. Im ersten Halbjahr verharrte der Preis für schweren Schiffsdiesel noch auf einem recht hohen Niveau von circa 600 USD je Tonne, brach dann Ende des Jahres jedoch um mehr als 50 Prozent ein und schwankt seitdem in einem Band von circa 250 bis 350 USD je Tonne.

In der Bulkschifffahrt lag das Nettoflottenwachstum nach Verschrottungen in 2014 bei ca. 4,5 Prozent. Dem stand ein Ladungswachstum in etwa gleicher Größenordnung gegenüber. Damit konnten die im Markt vorhandenen Überkapazitäten nicht reduziert werden. Das Ratenniveau lag im Jahresdurchschnitt deutlich unter den Selbstkosten. Die Marktentwicklung bei den Produktentankern verlief dagegen erfreulicher. Insbesondere die gesunkenen Rohölpreise konnten im vierten Quartal 2014 den Handel mit Ölprodukten und damit die Nachfrage nach Transportraum beflügeln.

Hamburg Süd Linienschifffahrt

Angesichts der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung der meisten Länder Südamerikas mit zum Teil rückläufigen Handelsvolumina konnte die Hamburg Süd ihr Transportvolumen lediglich um 2,3 Prozent auf 3,375 Millionen TEU steigern. Die Frachtraten standen wegen des zusätzlichen Kapazitätsangebots der aus den Asien-Verkehren verdrängten mittelgroßen Schiffe unter starkem Druck. Durch die Kaskadierung in die Nord-Süd-Verkehre waren vor allem die Südamerika-Routen in hohem Maße von Tonnagezulauf betroffen, der durch die schwachen Wachstumsraten des Ladungsvolumens nicht kompensiert werden konnte. Zwar versuchten die Carrier in den Südamerika-Verkehren, die Kapazität vor allem in der Off-Season zu reduzieren, jedoch war die Auslastung der Schiffssysteme in weiten Teilen des Jahres zu gering, so dass die Frachtraten stark abfielen. Aufgrund der stagnierenden und zum Teil rückläufigen Importe Brasiliens und Argentiniens war die Geschäftsentwicklung in den Verkehren zwischen Nord- und Südamerika und von Asien an die Ostküste Südamerikas besonders enttäuschend. Anhaltende Überkapazität trug dazu bei, dass die Ergebnisse in den Verkehren zwischen Indien / Pakistan und Asien bzw. Nordeuropa weiterhin unbefriedigend ausfielen.

Trotz gestiegener Carryings konnten die Bunkerkosten in Summe um circa 11 Prozent gesenkt werden. Neben den ab dem 4. Quartal rückläufigen Treibstoffpreisen haben dazu eine weitere Verbrauchsreduzierung durch den Einsatz effizienterer Schiffe und operative Optimierungen beigetragen.

Insgesamt konnte die Hamburg Süd trotz schwieriger Marktbedingungen ein positives, wenn auch nicht zufrieden stellendes, Linienergebnis erreichen.

Schiffe und Container der Hamburg Süd

Die Flotte der Hamburg Süd umfasste per 31. Dezember 2014 insgesamt 168 Schiffe, davon 46 gruppeneigene. 112 Schiffe wurden in den Liniendiensten und 56 ausschließlich gecharterte Schiffe im Trampbereich (Massengutschiffe, Produktentanker) eingesetzt. Wie auch schon im Vorjahr wurde die Flotte um weitere Schiffe der „Cap San“-Baureihe mit einer Kapazität von je 9.600 TEU erweitert. Zusätzliche Schiffe der „San“-Klasse mit 9.000 TEU und ebenfalls einem hohen Anteil an Stellplätzen für Kühlcontainer kamen hinzu. Insgesamt sind nun 13 Schiffe mit einer Stellplatzkapazität von mindestens 9.000 TEU im Einsatz, die mit ihrer großen Reefer-Kapazität hauptsächlich zwischen Asien bzw. Europa und der Ost-Küste Südamerikas im Einsatz sind. Die Cabotage-Flotte der Hamburg Süd-Tochter Aliança wurde ebenfalls um zwei moderne 4.800-TEU Wide-Beam-Schiffe erweitert und die Kosteneffizienz somit weiter gesteigert. Fünf ältere und kleinere Einheiten wurden verkauft, der Containerbestand stieg geringfügig auf 468.000 Units.

Bei einer auf circa 537.000 TEU gestiegenen Gesamtkapazität in der Linie wuchs die durchschnittliche Schiffsgröße von 4.437 TEU auf 4.795 TEU, was Ausdruck der fortgesetzten Effizienzsteigerungsstrategie der Hamburg Süd ist. Weitere drei Cap-San-Neubauten stehen 2015 zur Ablieferung an.

Hamburg Süd Trampschifffahrt

Angesichts der anhaltend hohen Überkapazitäten blieben die Erträge im Bulkbereich in allen Schiffsklassen über das Jahr 2014 hinweg unter Druck. Die Panamax-Spot-Indexrate ging im Vergleich zum Vorjahr von 9.500 US-Dollar je Tag auf 7.700 US-Dollar je Tag zurück. Die unter dem Namen Rudolf A. Oetker, Furness Withy Chartering und Aliança Bulk operierenden Massengutaktivitäten der Schifffahrtsgruppe konnten im Jahr 2014 erneut kein positives Ergebnis auffahren und bewegten sich damit in etwa auf dem Niveau des Vorjahres.

Die Zeitcharterraten (12 Monate) für moderne Produktentanker mit einer Tragfähigkeit um 50.000 Tonnen lagen im Jahresdurchschnitt mit 14.300 US-Dollar je Tag etwa auf Vorjahresniveau, wobei zum Jahresende hin ein spürbarer Anstieg zu verzeichnen war. In diesem Geschäftsfeld wurde ein positives Ergebnis erzielt.

Ausblick 2015

Ende März dieses Jahres übernahm die Hamburg Süd die Liniendienste der Compañía Chilena de Navegación Interoceánica (kurz CCNI) zwischen der Westküste Südamerikas einerseits und Asien, Nordamerika und Europa andererseits. Das Transportvolumen der Schifffahrtsgruppe wächst damit um knapp 10 Prozent oder circa 300.000 TEU. Die Hamburg Süd erreicht in einigen Verkehren die Marktführerschaft und erschließt sich Routen, auf denen sie bislang noch nicht aktiv war. Die Integration wird in der ersten Jahreshälfte 2015 erfolgen.

Um das Liniennetzwerk auszubauen und die sich daraus ergebenden logistischen Vorteile zu nutzen, erfolgte zum Jahreswechsel der Eintritt der Hamburg Süd in die Ost-West-Verkehre. Durch die seit Anfang 2015 umgesetzte Kooperation mit United Arab Shipping Corp. (UASC), mit Sitz in Dubai, erhält die Hamburg Süd Gelegenheit, Kapazität zu wettbewerbsfähigen Konditionen zu stellen. Im Gegenzug erhält die UASC Stellplätze auf ausgewählten Südamerika-Routen der Hamburg Süd. Durch die Zusammenarbeit mit UASC verringert die Hamburg Süd die Abhängigkeit von Südamerika und bietet ihren Kunden ein erweitertes Netzwerk an, das von diesen gut angenommen wird. Zudem erschließt sie sich dadurch weiteres Wachstums- und Kostensenkungspotential auf See und an Land.

Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) werden die Weltwirtschaft in 2015 um 3,5 Prozent und der Welthandel mit 3,7 Prozent etwas stärker als in 2014 zulegen. Insbesondere die US-amerikanische Wirtschaft wird weiter an Dynamik gewinnen, auch das Wachstum der Eurozone wird leicht höher erwartet. China soll mit 6,8 Prozent weiter der Motor der Weltkonjunktur bleiben, wenn auch mit nachlassender Dynamik.

Daraus lässt sich jedoch keine nachhaltige Erholung der Containerlinienschifffahrt im kommenden Jahr ableiten. Angesichts niedriger Zinsen drängt weiter frisches Geld in die Schifffahrt. Für das Jahr 2015 ist als Konsequenz mit einer weiteren Beschleunigung des Netto-Stellplatzwachstums zu rechnen. Mit circa 5 Prozent Zuwachs der globalen Container-Transporte und 8 Prozent erwartetem Rekord-Wachstum der Stellplatzkapazität nimmt das Überangebot an Container-Stellplätzen somit weiter zu. Der Zuwachs wird sich in den Ost-West-Verkehren auf Großschiffe mit einer Kapazität von mehr als 10.000 TEU konzentrieren.

In den großen Ost-West-Verkehren haben sich in den letzten Jahren vier Groß-Konsortien gebildet. Angesichts der unter Druck stehenden Frachtraten zielen diese Kooperationen auf eine Verbesserung der seeseitigen Kostenposition ab, insbesondere durch Einbringung größerer und verbrauchseffizienter Einheiten. Zudem wird versucht, durch intelligentere Steuerung der Schiffssysteme Kostenvorteile zu erzielen.

Positive Effekte für 2015 sind durch vorerst weiterhin niedrige Treibstoffpreise zu erwarten, die den anhaltenden Erlösverfall zumindest vorübergehend ausgleichen können. Nachhaltige Ergebnisverbesserungen wird es in der Branche aber nur geben, wenn striktes Kosten- und Kapazitätsmanagement mit einer nachhaltigen Ratendisziplin einhergehen.

In der Massengutfahrt ist in 2015 mit einem sich weiter verschlechternden Marktumfeld zu rechnen, die Charter-Raten und Auffahrwerte sind derzeit auf einen historischen Tiefststand gefallen. Das Nettoflottenwachstum wird mit rund 5 Prozent prognostiziert. Sollten die Rohstoffimporte Chinas in den nächsten Monaten nicht spürbar anziehen, wird das Ladungswachstum diesen Wert nicht erreichen. Damit würden die Ergebnisse der gruppeneigenen Trampaktivitäten noch schlechter als im Vorjahr ausfallen.

Vor allem angesichts der vergleichsweise günstigen Entwicklungen von Treibstoffpreisen und Wechselkursen erwartet die Hamburg Süd-Gruppe im Vergleich zum Vorjahr ein höheres operatives Ergebnis, dem jedoch außerordentliche Aufwendungen aus der Integration der CCNI-Aktivitäten gegenüberstehen.

Die Hamburg Süd hat ihr für 2020 festgelegtes Umweltziel, die CO2e-Emissionen ihrer Flotte um 26 Prozent gegenüber 2009 zu verringern, durch eine Vielzahl von Maßnahmen vorzeitig erreicht. Dazu gehören Investitionen in die Energieeffizienz der Schiffe, die Vergrößerung der durchschnittlichen Schiffskapazität im Zuge des Neubauprogramms, eine weitere Verringerung der Einsatzgeschwindigkeit auf der Seestrecke und die weitere Optimierung der Abläufe im Bereich Schiffseinsatz.

Das Ende 2014 neu definierte CO2e-Reduktionsziel sieht für die eigenen und gecharterten Containerschiffe pro Einheit der Transportleistung (TEU x km) eine Verminderung der Emissionen im Zeitraum 2009 bis 2020 um 45 Prozent vor. Die Maßeinheit CO2e, Kohlendioxid-Äquivalente, berücksichtigt neben Kohlendioxid auch andere beim Verbrennungsprozess entstehende Klimagase (wie z.B. Methan) entsprechend ihrer Klimawirksamkeit. Weitergehende Informationen, unter anderem zur Umweltbilanz der gesamten Reedereigruppe, werden auf der Unternehmens-Website im neu strukturierten und überarbeiteten Bereich Nachhaltigkeit veröffentlicht.

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